Der Tag danach

Der nächste Morgen beginnt zumindest für mich mit einem Rätsel: allein befinde ich mich in einem mir unbekannten Zimmer. Brille und Schuhe fehlen. Umherirrend finde ich das Zimmer, in welchem ich eigentlich hätte aufwachen sollen, doch es ist versperrt! Mitleidiges Lächeln der Concierge trifft mich; die anderen seien schon weg. Mit dem Zentralschlüssel werde ich eingelassen, raffe mein Hab und Gut zusammen, bitte um Verzeihung und entschwinde Richtung Tourbus. Auf der Straße begegnet mir der Rest der Entourage, man war in der Ankerklause frühstücken, nachdem man des Morgens festgestellt hatte, daß mein Bett leer war. Sämtliche Sorgen, daß ich wegen Schnarchens o.s.ä. von meinen Kollegen des Zimmers verwiesen worden war, erweisen sich als unbegründet: Schlafwandeln nennt sich das Phänomen, das zu meinem Orientierungsversagen geführt hat. Fatal! Gut, daß wir im Parterre untergebracht waren, manch einer ist ja schon schnurstracks aus dem Fenster herausgewandelt.

Zusammen mit 50 % der grauenhaften Glamrocker von Tusq steuern wir Magdeburg an. Zumindest ist dies unser Plan, doch kommen die Heinis von der Vorband selbstredend erheblich verspätet am vereinbarten Treffpunkt an, da noch Moustaches und Seitenscheitel zu neuer Perfektion gebracht werden müssen. Sei’s drum, die Gruppe Herrenmagazin ist heute ohnehin zu nichts zu gebrauchen. Die Stunden im Monarch fordern ihren Tribut, man hängt regelergeben in den Seilen. Sänger und Schlagzeuger öffnen das erste Bier. Selbst die unverwüstliche Menschmaschine Andere Luigi muß sich heute am Steuer ersetzen lassen. Insgesamt wandelt sich heute kollektiv das Stimmungsbild der Band nach Ersteuphorie und völligem Wahnsinn zur unumgänglichen Tourmüdigkeit.
Das Projekt 7 ist jedoch ein freundlicher Laden, und wenig später trifft die Hamburger Abordnung Tusqs ein, ein fiebergeschüttelter Timo Sauer und ein gewisser Fuchs, der unter dem Vorwand, als Merchandise-Leiter von Tusq angereist zu sein, den Alkoholabusus des heutigen Abends in neue Dimensionen bringen wird. Erste Verluste im Equipment: Hi-Hat-Filz und Paukenschlägel sind verschollen, sollte jemand im Festsaal dergleichen gefunden haben, bitte hier melden!
Erneut übertrifft der Publikumsandrang alle Erwartungen (als hätten wir jemals welche gehabt), und trotz technischer Probleme von König „Ichschmeißgleichalleskaputthier“ Wilhelmsburg, den olfaktorischen Folgen des Vorabends und der kolossalen Zersoffenheit aller Beteiligten wird das Konzert in keinster Hinsicht ein Desaster. Glück gehabt. Zudem gibt es ein Wiedersehen mit dem Milfhunter aus Braunschweig, und nachdem sich Teile der Band in aller Stille ins Hotel zurückgeschlichen haben, beschäftigt sich eine Handvoll Verbliebener mit der Vernichtung der restlichen Alkoholvorräte im Backstage und lauscht den soziologisch verankerten Recherchen und Ausführungen des anerkannten FL-Experten J. Fuchs. Die Pläne, heute „mal wen kennenzulernen“, werden aufgrund der Ausmaße der im Keller stattfindenden Diskothek (ca. 5 Anwesende) verworfen. Ab.


1 Antwort auf „Der Tag danach“


  1. 1 muerps 31. Januar 2011 um 19:07 Uhr

    Menno, und ich konnte nicht dabei sein.

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